Mydefibri war der Name einer deutschsprachigen Smartphone-App und einer zugehörigen Website. Mit diesen konnten Standorte öffentlich zugänglicher Defibrillatoren (AED, „Automatisierte Externe Defibrillatoren“) gesucht, gefunden und gemeldet werden. Das Ziel bestand darin, Ersthelfer:innen im Notfall das schnelle Auffinden eines in der Nähe befindlichen Geräts zu erleichtern und die Zahl der erfassten Standorte durch Hinweise der Nutzer:innen kontinuierlich zu erweitern. Die iOS-App erschien 2017, 2018 erhielt sie ein Update. Als Entwickler wurde im App Store die Codana GmbH genannt, die App-Unterstützung verwies auf die Website mydefibri.de. Auf der Seite gab es Hinweise und Hintergrundbeiträge zum Thema Defibrillation sowie den ausdrücklichen Vorbehalt, dass die ausgewiesenen Standorte ohne Gewähr seien.
Mydefibri richtete sich an Menschen, die im Alltag – beruflich oder privat – mit öffentlichen AED-Geräten zu tun haben oder im Notfall schnell ein Gerät finden wollten. Der Kernnutzen der App bestand darin, auf einer Karte den nächstgelegenen Defibrillator anzuzeigen und gleichzeitig neue Standorte zu melden, um die Abdeckung zu verbessern. Die App verstand sich somit als niedrigschwelliger Beitrag zur Ersten Hilfe außerhalb klinischer Umgebungen. In der Beschreibung im App Store wurde die einfache Nutzung betont: Die Position wurde entweder über die Kamera oder die Standortdienste des Smartphones geliefert und die App zeigte innerhalb weniger Sekunden den nächstgelegenen AED an.
Entstehung und Entwicklung
Die Website mydefibri.de war spätestens Mitte der 2010er-Jahre online aktiv. Dort sind Blogbeiträge zur Funktionsweise, zu Sicherheitshinweisen und zum Notfallverhalten datiert auf Juli 2014 zu finden.
Die iOS-App folgte später. App-Verzeichnisse nennen eine Erstveröffentlichung im Frühjahr 2017. Im US-App Store ist eine Aktualisierung auf Version 1.1 zum 27. Mai 2018 vermerkt. Danach gab es im App Store keine weiteren Updates. Die Website mydefibri.de war als App-Unterstützung hinterlegt, die Inhalte wirkten jedoch redaktionell früh entstanden und wurden erkennbar selten aktualisiert.
Die Angaben im App Store nennen die Codana GmbH als Entwickler bzw. Verkäufer, während im Copyright-Hinweis der App die econsor mobile GmbH erscheint – ein Hinweis darauf, dass die Entwicklung, der Vertrieb oder die Projektnachfolge im Lauf der Zeit zwischen verbundenen oder beauftragten Firmen wechselten. Solche Konstellationen sind bei Auftrags- oder White-Label-Apps nicht ungewöhnlich. Gesicherte Details zur internen Projektorganisation wurden öffentlich nicht dokumentiert.
Ziel und Nutzen im Alltag
Im Mittelpunkt stand die schnelle Orientierung in Notfällen, in denen jede Minute zählt. Für Laienhelfer ist das Auffinden eines AEDs oft die größte Hürde, weshalb mydefibri eine leicht zugängliche Karte entwickelte, die unterwegs funktioniert und auf Nutzerhinweise setzt, um diese Lücke zu schließen. Die Anwendung eignete sich für öffentliche Räume, Verkehrsknotenpunkte, Sportanlagen, Bildungseinrichtungen oder Betriebe – also überall dort, wo AEDs vorhanden, aber nicht immer deutlich ausgeschildert sind. Der Ansatz folgte dem Prinzip „Die Community sammelt Standorte – alle profitieren“.
So funktionierte die App
Die Bedienung war schlicht gehalten: App öffnen, Standort ermitteln lassen oder Zielregion wählen und nächsten AED anzeigen lassen. Wer einen neuen Standort entdeckte, konnte ihn eintragen, damit er nach einer Prüfung für alle sichtbar wurde. Die App nutzte dazu die Ortsdienste des Geräts. Im App-Store-Eintrag ist der Hinweis enthalten, dass Standortzugriffe auch im Hintergrund die Batterielaufzeit senken können. Technisch war MyDefibri als klassische iOS-App umgesetzt und laut Eintrag mit Unterstützung für iPhone, iPad und – via Apple Silicon – auch für den Mac App Store.
• Hauptfunktionen in Kürze
• Standorte öffentlicher AEDs auf einer Karte anzeigen
• Nächstgelegenen AED anhand der aktuellen Position finden
• Neue Standorte melden und bestehende Hinweise korrigieren
• Basis-Informationen und Hintergrundartikel zum Thema AED
Inhalte der Website und Begleitmaterial
Auf der Website mydefibri.de finden sich neben Verlinkungen zur App auch eine Reihe gut verständlicher Beiträge, die die Grundlagen der Defibrillation erklären. Beispielsweise wird erläutert, was ein AED ist, wie er aufgebaut ist, welche Sicherheitsaspekte zu beachten sind und wie man sich im Notfall verhält. Die Texte sollten Berührungsängste abbauen und den Schritt vom Wissen zum Handeln erleichtern. Ergänzend gab es einen kurzen Film zur Vorstellung der App. Hervorgehoben war außerdem der deutliche Hinweis „Standorte ohne Gewähr“: Das Projekt konnte die Funktionsfähigkeit der Geräte oder die Aktualität einzelner Einträge nicht garantieren.
Datenbasis, Qualität und Grenzen
Wie bei vielen bürgergetragenen AED-Registern stand und fiel die Qualität der Angaben bei mydefibri mit der Beteiligung der Community: Nutzerinnen und Nutzer waren aufgefordert, neue Standorte zu melden und fehlerhafte Einträge zu korrigieren. Dadurch verbessert sich die Abdeckung, es ergeben sich jedoch auch typische Grenzen: Einträge können veralten, Geräte werden versetzt, Batterien oder Elektroden sind nicht immer geprüft und die Verfügbarkeit ist durch die Öffnungszeiten von Gebäuden eingeschränkt. Der deutliche Gewährleistungsausschluss auf der Website erinnerte daran, dass die App nur Orientierung bietet und vor Ort die Realität zählt.
Ein internationaler Vergleich zeigt, dass AED-Register organisatorisch sehr unterschiedlich gelöst sind. In einigen Regionen pflegen Rettungsleitstellen zentrale Register und binden sie in Alarmierungsprozesse ein, in anderen dominieren communitybasierte Karten. Projekte wie PulsePoint AED in den USA oder die AED Map mit Daten aus der OpenStreetMap-Community sind Beispiele für diese unterschiedlichen Modelle – stärker behördlich vernetzt oder konsequent datenbasiert und offen. mydefibri lag mit seinem Ansatz zwischen diesen Polen: Die App war offen für Meldungen, aber es gab keine sichtbare Anbindung an Leitstellen.
Plattformen und Verfügbarkeit
Belegt ist die Verfügbarkeit für iOS (iPhone und iPad). Der App-Store-Eintrag nennt Deutsch als Sprache, die Altersfreigabe „12+“ sowie Version 1.1 als letzte bekannte Aktualisierung vom 27. Mai 2018. Ein expliziter Android-Eintrag im Google-Play-Store ist öffentlich nicht (mehr) auffindbar; die Website zeigte zwar Darstellungen für Android und iOS, konkrete Play-Store-Metadaten ließen sich jedoch Stand August 2025 nicht sicher verifizieren.
Betreiber, Beteiligte und Schirmherrschaft
Als Entwickler und Verkäufer ist im App Store die Codana GmbH ausgewiesen, während im Copyright-Hinweis innerhalb des App-Store-Eintrags die econsor mobile GmbH erscheint. Auf der Website tritt mydefibri primär als Projektmarke und nicht als klassisch firmenseitig vermarktete App auf. Auf der Website wird eine Schirmherrschaft sichtbar: Neben der Kickbox-Weltmeisterin Julia Irmen wird auch der damalige bayerische Staatssekretär Bernd Sibler als unterstützende Persönlichkeit genannt. Dies unterstreicht den gemeinwohlorientierten Charakter der Initiative, ersetzt aber keine institutionelle Trägerschaft.
Einordnung im Kontext anderer AED-Apps
Mydefibri war Teil eines wachsenden Ökosystems digitaler Helfer für die Erste Hilfe. Während Apps wie PulsePoint AED in Nordamerika eng mit angeschlossenen Rettungsleitstellen zusammenarbeiten und bei Reanimationen auch Ersthelfende alarmieren können, verstand sich mydefibri als leichtgewichtige Locator-App mit Meldemöglichkeit, die keine belegte Leitstellen-Integration erfordert. Andere Anwendungen wie AED Map aggregieren wiederum explizit offene Datenquellen (u. a. aus der OpenStreetMap-Community) und betonen den offenen Charakter der Karten. Die Unterschiede betreffen weniger die Karte selbst als die Governance: Wer prüft die Einträge, wie fließen Korrekturen ein und ist das Register Teil eines offiziellen Alarm-Workflows?
Stärken und Schwächen (Rückblick)
Rückblickend lag die Stärke von MyDefibri in der Einfachheit. Eine App mit klarer Hauptfunktion kann in Stresssituationen hilfreich sein, da die Interaktion minimal bleibt. Auch das Prinzip, Standorte gemeinschaftlich zu sammeln, ist niedrigschwellig und skalierbar. Ein weiterer Pluspunkt war der didaktische Anteil der Website. Die Beiträge verdeutlichten, wie ein AED funktioniert, und nahmen Hemmungen.
Daraus ergeben sich jedoch auch Grenzen. Ohne regelmäßige Datenpflege veralten die Standorte. Ohne Anbindung an Leitstellen bleibt die App ein nützliches Suchwerkzeug, aber kein Baustein in einem integrierten Rettungskonzept (z. B. Alarmierung registrierter Ersthelferinnen und Ersthelfer). Ohne kontinuierliche App-Updates besteht zudem die Gefahr, dass Plattformanforderungen oder die Datenschutztransparenz (Privacy Labels) nicht auf dem aktuellen Stand sind. Im App-Store-Eintrag wird explizit darauf hingewiesen, dass der Entwickler keine Details zur Datenverarbeitung hinterlegt hat und dies erst beim nächsten Update erforderlich ist.
Rechtlicher und praktischer Rahmen
Apps wie „mydefibri” können eine Orientierungshilfe bieten, ersetzen aber nicht die Notrufkette. In Deutschland gilt weiterhin die folgende Reihenfolge: Notruf 112, stabile Seitenlage, Wiederbelebung nach Anweisung und – wenn verfügbar – Einsatz eines AED nach Sprachanleitung des Geräts. Der Gewährleistungsausschluss auf der Website bringt diesen Punkt auf den Boden der Tatsachen: Der Karteneintrag ist lediglich ein Hinweis. Die tatsächliche Geräteverfügbarkeit, Zugänglichkeit und Funktion müssen vor Ort geprüft werden.
Aktueller Stand und Nachwirkung
Im August 2025 ist die iOS-App „mydefibri – Defibrillatoren” weiterhin im App Store gelistet, jedoch wurden seit 2018 keine Aktualisierungen mehr durchgeführt.
Die Website mydefibri.de ist erreichbar und enthält die genannten Hintergrundtexte sowie den Hinweis „Standorte ohne Gewähr”. Ob die Datenbank aktiv gepflegt wird, lässt sich öffentlich nicht zuverlässig beurteilen. Unabhängig davon bleibt mydefibri ein Beispiel für frühe, bürgergetragene AED-Locator-Dienste im deutschsprachigen Raum mit der Stärke einfacher Nutzbarkeit und der bekannten Schwäche community-basierter Aktualität.
Abgrenzung zu verwandten Angeboten
Zur Einordnung lohnt sich ein Blick auf zwei weit verbreitete Alternativen. PulsePoint AED versteht sich als Werkzeug, das AED-Standorte registriert, für Leitstellen sichtbar macht und in angebundene Alarmierungsprozesse integriert. Es verfolgt einen stärker institutionellen Ansatz. AED Map ist dagegen ein plattformübergreifendes Angebot, das auf Daten der OpenStreetMap-Community basiert. Es betont die Offenheit der Quelle und ist technisch als eigenständige App in mehreren Stores verfügbar. MyDefibri lag konzeptionell näher an AED-Locatoren, die eigenständig gepflegte Register führen, jedoch ohne behördliche Kopplung.
Fazit
Mydefibri kombiniert eine schlichte Karten-App mit einem Bürgeraufruf: Suchen, finden, melden. Gerade weil bei einem plötzlichen Herzstillstand jede Minute zählt, kann eine niedrigschwellige Orientierungshilfe den entscheidenden Unterschied machen. Die App schloss diese Lücke auf pragmatische Weise, stützte sich aber – wie alle Community-Register – auf kontinuierliche Beteiligung. Im Rückblick zeigt mydefibri anschaulich, wie digitale Werkzeuge die Ersthilfe unterstützen können, solange die Erwartungen realistisch bleiben. Eine Karte ist ein Ausgangspunkt, aber keine Garantie. Dass die App seit 2018 kein Update erhielt, schmälert ihre technische Aktualität. Die Idee dahinter wirkt dennoch fort – in „Offenen Karten”, in behördlich integrierten Registern oder in anderen Apps, die ähnliche Funktionen anbieten.