GetBaff war ein Augmented-Reality-Start-up aus Düsseldorf. Seine App erkannte gedruckte Bilder und spielte dazu Videos ab, ohne QR-Code auf der Fläche. Dieses Porträt fasst zusammen, was über Gründung, Technik und Projekte belegt ist, wie sich das Angebot vom QR-Code und von WebAR unterscheidet und was heute noch davon öffentlich sichtbar ist.
Gründer und Anfänge
Gegründet wurde GetBaff von Hendrik Gottschalk (CEO) und Jan Owiesniak (CTO). Nach einem Bericht von Business Punk aus dem Jahr 2021 betrieben die beiden zuvor „Club 5000“, einen Lifestyle- und Business-Club für junge Berufstätige. Den Wechsel zu Augmented Reality beschreiben sie mit einem Test im Januar 2018 vor dem Legoland Discovery Center in Berlin: Passanten richteten ein Smartphone auf Werbeplakate, und bei zwei von drei Plakaten startete ein Video. Die Reaktionen überzeugten die Gründer, den Club aufzugeben und sich ganz auf AR zu konzentrieren.
Die getbaff GmbH ist beim Amtsgericht Düsseldorf unter HRB 88195 eingetragen. Laut Registerdaten war die Gesellschaft zuvor in Gelsenkirchen registriert und wurde 2019 nach Düsseldorf verlegt. Als Unternehmensgegenstand nennt das Register ein Softwarehaus mit Fokus auf Augmented-Reality-Lösungen sowie die Planung passender Marketingkonzepte.
So funktionierte die Technik
Das Verfahren beschrieben Gründer und Medien übereinstimmend in vier Schritten:
- Ein Kunde lädt ein Bild und ein Video auf die GetBaff-Plattform hoch.
- Die Bilderkennung analysiert das Bild und setzt sogenannte Trackingpunkte.
- Die Plattform verknüpft das Bild mit dem Video.
- Richtet jemand die App auf das gedruckte Bild, erkennt sie es und spielt das Video ab.
Die gedruckte Fläche musste dafür nicht verändert werden. Das war das zentrale Verkaufsargument gegenüber QR-Codes, die zusätzlich aufgedruckt werden müssen. Später kamen zwei Erweiterungen hinzu: ein Software Development Kit (SDK), mit dem Unternehmen die Erkennung in ihre eigenen Apps einbauen konnten, und eine WebAR-Lösung, die im Browser läuft und keinen App-Download braucht.
Einordnung: drei Wege vom Papier zum Video
| Ansatz | Was der Nutzer braucht | Änderung am Druck | Typische Hürde |
|---|---|---|---|
| QR-Code | Kamera-App des Smartphones | Code muss aufgedruckt werden | Platz im Layout, gestalterischer Bruch |
| App mit Bilderkennung (GetBaff-Prinzip) | installierte App des Anbieters | keine, allenfalls ein Hinweis-Symbol | Nutzer müssen die App erst laden |
| WebAR | Browser, Einstieg meist per Link oder QR-Code | meist ein Einstiegscode | abhängig von Browser und Gerät |
Die Tabelle zeigt das Grundproblem vieler AR-Print-Konzepte: Entweder braucht es eine eigene App, oder man landet doch wieder bei einem aufgedruckten Einstiegspunkt. Wer heute gedruckte Werbung mit Videos verknüpfen will, sollte zuerst klären, wie die Zielgruppe überhaupt vom Papier auf das Smartphone kommt.
Anwendungen und Kunden
Das Portal Düsseldorf Startups nannte 2020 als Einsatzbereiche Zeitungen, Veranstaltungsmaterial, Visitenkarten, interne Kommunikation und Bedienungsanleitungen. Das Unternehmen bezeichnete sein Modell dort als B2B2B2C-Markt und war gerade mit digitalen Hochzeitseinladungen ins Privatkundengeschäft eingestiegen. Das Team zählte damals rund 15 Personen. Laut demselben Bericht stieg die IACD Group zum 1. November 2019 als Investor ein.
Weitere belegte Stationen:
- Vodafone UPLIFT: Anfang 2019 kooperierte GetBaff mit der Start-up-Initiative von Vodafone und erhielt Cloud-Services und IT-Infrastruktur. Darauf bauten erste Pilotprojekte mit Vodafone und dem früheren Kabelnetzbetreiber Unitymedia auf.
- Oma Doris: Markengesicht war die Großmutter eines Gründers. Ihre animierten GIFs erreichten laut Vodafone auf Giphy mehr als 160 Millionen Aufrufe.
- NFTs: Aus den Animationen entstanden 2021 NFT-Sammlerstücke. Im Mai 2022 setzte GetBaff für Katjes die NFT-Kollektion „Wunderland“ um: 777 Einhorn-Motive auf der Polygon-Blockchain zu einem Preis von rund 30 Euro, verbunden mit realen Vorteilen wie Süßigkeiten und Merchandise.
Was ist aus GetBaff geworden?
Die jüngsten Medienberichte über GetBaff, die sich finden lassen, stammen aus dem Jahr 2022. Im September 2026 ist die Website getbaff.com nicht erreichbar, und die frühere Android-App ist im Google Play Store nicht mehr abrufbar. Ob die Gesellschaft ihren Betrieb eingestellt hat oder in anderer Form weiterarbeitet, lässt sich aus den frei zugänglichen Quellen nicht sicher sagen. Eine Löschung oder Insolvenz ist in den gesichteten Registerdaten nicht vermerkt.
Wie Sie neue Technologien früh erkennen und bewerten, zeigt unser Beitrag über Tools für Internet-Trends. Wo gedruckte Werbung neben digitalen Kanälen steht, erklärt der Vergleich Inbound vs. Outbound Marketing. Für Messestände, an denen AR-Anwendungen häufig vorgeführt werden, finden Sie Anregungen in den Tipps für Messe-Marketing. Ein weiteres Porträt aus dem Krypto-Umfeld ist der Fall Savedroid.
Quellen
- Business Punk (11.05.2021): Versteckte Botschaften: Dieses Startup erweckt Oberflächen mit Augmented Reality zum Leben
- Vodafone featured (14.10.2022): getbaff verwandelt Oberflächen in digitale Bildschirme
- Düsseldorf Startups (10.11.2020): getbaff – erweckt Oberflächen zum Leben
- t3n: NFT, yes, yes, yes? So will Katjes ins Web3 einsteigen
- Online-Handelsregister: getbaff GmbH, Amtsgericht Düsseldorf, HRB 88195