Digivation war ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Verbundprojekt. Es untersuchte, wie Unternehmen mit Hilfe der Digitalisierung neue Dienstleistungen entwickeln, die sogenannten Smart Services. Hier erfahren Sie, wer beteiligt war, wie lange das Projekt lief, welche Ergebnisse es gibt und welche davon Sie heute noch nutzen können.
Was war Digivation?
Der vollständige Titel lautete „DIGIVATION – Dienstleistungsinnovationen durch Digitalisierung: Methoden, Potenziale und Transfer für Smart Services“. Das Projekt gehörte zum BMBF-Programm „Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen“ und dort zur Förderlinie „Dienstleistungsinnovation durch Digitalisierung“.
Digivation hatte eine Doppelrolle. Zum einen forschten die Partner selbst, etwa zu Kundenintegration, Service Engineering und Prozessinnovation. Zum anderen war Digivation das Metaprojekt der Förderlinie: Es vernetzte nach Angaben der Universität Paderborn 22 weitere BMBF-geförderte Verbundprojekte, bündelte deren Ergebnisse und bereitete sie für die Praxis auf.
Steckbrief
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Förderer | Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) |
| Laufzeit | Dezember 2016 bis November 2019 (Universität Passau); die Universität Paderborn führt das Projekt bis Oktober 2020 |
| Förderkennzeichen | 02K14A220 bis 02K14A224 |
| Fördersumme | 1,5 Millionen Euro laut Projektseite der Universität Passau |
| Forschungspartner | Universität Paderborn (Prof. Dr. Daniel Beverungen), Universität Passau (Prof. Dr. Jan H. Schumann), FIR e. V. an der RWTH Aachen, Universität Siegen, itb Karlsruhe |
| Weitere beteiligte Organisationen | IHK Niederbayern, Unity AG, CrowdConsultants 360 GmbH, MHP GmbH (laut Universität Passau) |
| Transferphase (itb) | September 2018 bis März 2021 |
Ergebnisse
DIN SPEC 33453
Das greifbarste Ergebnis ist die DIN SPEC 33453:2019-09 „Entwicklung digitaler Dienstleistungssysteme“. Die Projektpartner bezeichneten sie beim Abschlusstreffen als praxisorientierten Leitfaden. Die Spezifikation umfasst 53 Seiten, behandelt Begriffe, Innovationsvorgehen und den Umgang mit Daten bei digitalen Dienstleistungen und steht bei DIN Media kostenlos zum Download bereit. Aufbau, Phasen und Einsatz der Spezifikation erklärt unser Beitrag DIN SPEC 33453: Digitale Services entwickeln.
Methoden für Kundenintegration und Individualisierung
Das Team der Universität Passau entwickelte einen Methodenbaukasten, mit dem Unternehmen Kunden in die Entwicklung digitaler Dienstleistungen einbinden, sowie eine Entscheidungshilfe, um digitale Dienste an einzelne Kunden anzupassen. Dazu kamen Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Zwei Sammelbände bei Springer
Die Ergebnisse der Förderlinie erschienen in zwei Bänden unter dem Titel „Dienstleistungsinnovationen durch Digitalisierung“, herausgegeben von Daniel Beverungen, Jan H. Schumann, Volker Stich und Giuseppe Strina bei Springer Gabler:
- Band 1: Geschäftsmodelle – Methoden – Umsetzungsbeispiele (2020, erschienen Anfang 2021, 12 Kapitel)
- Band 2: Prozesse – Transformation – Wertschöpfungsnetzwerke (2021, 12 Beiträge)
Beide Bände sind kostenpflichtig, viele Hochschulbibliotheken bieten über SpringerLink Zugriff.
Transfer in Mittelstand und Handwerk
Das itb Karlsruhe bereitete gemeinsam mit der Universität Siegen die Ergebnisse von zehn Verbundprojekten für kleine und mittlere Unternehmen sowie Handwerksbetriebe auf. Laut itb begleitete es vier Pilotbetriebe bei der Entwicklung digitaler Dienstleistungen, organisierte drei Unternehmertreffen und eine bundesweite Online-Konferenz. Zum Abschluss der Förderlinie richteten die Partner die Dienstleistungstagung „Service Systems Innovation“ aus. Sie fand am 8. und 9. April 2019 im Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn statt, mit mehr als 250 Teilnehmenden aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung. Das Abschlusstreffen des Konsortiums fand am 7. und 8. November 2019 in Paderborn statt.
Was Unternehmen heute damit anfangen können
Wer eine digitale Dienstleistung plant, etwa Fernwartung, ein Kundenportal oder ein Abo-Modell für Maschinen, findet in den Digivation-Ergebnissen strukturierte Vorgehensmodelle statt Einzelbeispiele. Als Einstieg eignet sich diese Reihenfolge:
- Die kostenlose DIN SPEC 33453 lesen, um Begriffe und Entwicklungsschritte zu klären.
- In Band 1 die Umsetzungsbeispiele aus der eigenen oder einer benachbarten Branche suchen.
- Für Fragen zu Plattformen und Partnernetzwerken Band 2 heranziehen.
- Prüfen, ob die Kammer vor Ort oder ein Transferzentrum Begleitung für eigene Pilotprojekte anbietet.
Der Name Digivation wird auch von mehreren nicht verbundenen Firmen im Ausland genutzt, etwa von IT- und Webdienstleistern. Mit dem deutschen Forschungsprojekt haben diese nichts zu tun.
Wie mittelständische Unternehmen digitale Angebote vermarkten, beschreibt unser Beitrag Digitales Marketing für den Mittelstand. Für technische Anbieter ist außerdem Marketing für Ingenieure interessant. Einen Überblick über Förderwege für Gründer gibt der Beitrag zur Existenzgründung in Sachsen.
Quellen
- Universität Paderborn: Projekt DIGIVATION
- Universität Passau: Project details: Digivation
- Universität Passau: Abschlusstreffen des BMBF-Projektes „DIGIVATION“
- Universität Passau: Zweiter Abschlussband erschienen
- itb Karlsruhe: Digivation
- Universität Paderborn: Dienstleistungstagung 2019: Service Systems Innovation vom 08.–09.04.2019 im HNF Paderborn
- DIN Media: DIN SPEC 33453:2019-09
- SpringerLink: Dienstleistungsinnovationen durch Digitalisierung, Band 1 und Band 2