Das Städelmuseum in Frankfurt am Main feierte 2015 sein zweihundertjähriges Bestehen. Es wurde 1815 durch die testamentarische Verfügung des Kaufmanns Johann Friedrich Städel gegründet. Heute gilt es als eines der ältesten Kunstmuseen Deutschlands, das aus bürgerlichem Engagement hervorgegangen ist. Seine Bestände reichen von mittelalterlicher Malerei über Werke der Moderne bis zur aktuellen Kunst. Anlässlich des Jubiläums gab es zahlreiche Ausstellungen, Feste, digitale Projekte und eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.
Stiftung und Gedanke
Johann Friedrich Städel vermachte sein Vermögen, seine Kunstsammlung und sein Wohnhaus einer Stiftung, die er „Städelsches Kunstinstitut“ nannte. Damit wollte er der Stadtbevölkerung dauerhaft Zugang zu Kunst und Bildung eröffnen. Das Institut sollte von Beginn an öffentlich sein und sowohl Sammlungen präsentieren als auch Unterricht anbieten. Dieser Auftrag begleitet die Arbeit des Museums bis heute.
Anfänge und erste Gebäude
Nach dem Tod von Johann Friedrich Städel im Jahr 1816 verzögerte sich die Umsetzung seiner Pläne um mehrere Jahre. Die erste Eröffnung fand in einem Haus an der Neuen Mainzer Straße statt. 1878 zog die Institution in den heutigen Bau am Schaumainkai, einen repräsentativen Neorenaissancekomplex, der inzwischen ein prägender Teil des Museumsufers ist.
Wachstum der Sammlung
Die ursprüngliche Sammlung wuchs stetig. Durch Erwerbungen, Schenkungen und Nachlässe wurden die Bestände erweitert. Inzwischen besitzt das Museum mehrere tausend Gemälde sowie eine umfangreiche grafische Sammlung mit Zeichnungen und Druckgrafiken. Darüber hinaus umfasst die Sammlung Skulpturen und Fotografien. Das Spektrum umfasst frühe sakrale Werke ebenso wie Positionen der Gegenwart.
Der Bau
Der Gebäudekomplex wurde mehrfach erweitert und modernisiert. Ein wichtiger Meilenstein war die Eröffnung der unterirdischen Ausstellungshalle Gartenhalle im Jahr 2012. Durch diesen Neubau vergrößerte sich die Ausstellungsfläche deutlich, sodass seitdem eine dauerhafte Präsentation jüngerer Kunst möglich ist. Die zurückhaltende Architektur und die Lichtführung wurden viel gelobt.
Kern der Sammlung
Das Städel zeigt Kunst vom 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Schwerpunkte liegen vermutlich in der italienischen Renaissance, der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, der deutschen Romantik sowie der Klassischen Moderne. Zu den Höhepunkten zählen Werke von Botticelli, Vermeer, Rembrandt, Dürer, Monet, Picasso, Kirchner und Richter. In den letzten Jahren rückten zeitgenössische Positionen stärker in den Mittelpunkt, was auf ein wachsendes Interesse an aktuellen Entwicklungen hindeutet.
Bildungsarbeit und Forschung
Die Vermittlung spielt traditionell eine große Rolle. Das Museum bietet Programme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Führungen, Workshops und digitale Lerneinheiten ergänzen die Ausstellungen. Im Jubiläumsjahr betonte die Leitung die besondere Bedeutung kultureller Bildung als Kernaufgabe.
Digitale Wege
Zum Geburtstag wurden zahlreiche digitale Angebote gestartet. So wurde die Online-Sammlung geöffnet, virtuelle Rundgänge eingerichtet und Lernmodule entwickelt. Mit diesen Schritten sollen neue Besuchergruppen erreicht und Barrieren abgebaut werden. Viele dieser Formate werden weitergeführt und sind ein wichtiger Bestandteil der digitalen Ausrichtung des Hauses.
Engagement der Bürger
Die Geschichte des Städel ist von Beginn an von bürgerschaftlicher Unterstützung geprägt. Bereits im 19. Jahrhundert beteiligten sich Frankfurterinnen und Frankfurter mit Spenden und Stiftungen. Auch 2015 engagierten sich viele Menschen, unter anderem durch Fördervereine, Veranstaltungen und Aktionen. Diese enge Verbindung gilt bis heute als eine der wesentlichen Stärken des Museums.
Offene Punkte
Auch schwierige Kapitel gehören zur Geschichte des Hauses. Verluste in der NS-Zeit, Zerstörungen im Krieg und die Jahre des Wiederaufbaus sind nach wie vor Themen der Forschung. Die Provenienz vieler Werke wird derzeit überprüft. Fragen zu Diversität, Inklusion und Repräsentation gewinnen zunehmend an Bedeutung. Diese Bereiche bieten Raum für weitere Studien.
Feierliche Momente 2015
Das Jubiläumsjahr war reich an Höhepunkten. Sonderausstellungen, Neuerwerbungen – darunter Arbeiten von Reni, Degas und Baldessari – sowie große Besucherfeste zogen ein breites Publikum an. Zahlreiche Veranstaltungen richteten sich gezielt an Menschen, die bislang kaum mit dem Museum in Kontakt standen.
Leitung und Organisation
Ein Direktorium führt das Haus und wird dabei von Kuratorinnen, Restauratoren, Bildungsexpertinnen und der Verwaltung unterstützt. Im Lauf der Zeit prägten unterschiedliche Leitungen das Profil. In den vergangenen Jahrzehnten lag der Fokus auf Modernisierung, Internationalisierung und Vernetzung.
Perspektiven
Das Museum plant für die Zukunft, seine Sammlung weiterzuentwickeln, neue kunsthistorische Sichtweisen einzubeziehen und analoge sowie digitale Zugänge auszubauen. Themen wie Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und technischer Wandel werden dabei voraussichtlich an Bedeutung gewinnen. Auch in der Forschung ergeben sich neue Möglichkeiten, beispielsweise in den Bereichen Digitalisierung, Herkunftsfragen oder europäische Kulturvermittlung.
Fazit
Das Städelmuseum blickt auf eine zwanzig Jahrzehnte umfassende Geschichte zurück. Die Idee, Kunst und Bildung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, prägt die Institution bis heute. Die enge Bindung an die Stadtgesellschaft, der breit gefasste Sammlungsauftrag und die Offenheit für Neues sichern dem Museum eine führende Rolle. Das Jubiläum bot Gelegenheit zur Rückschau und motiviert zugleich, künftige Herausforderungen aktiv anzugehen.